In der Spätphase des II. Weltkrieges wurde die Herstellerangabe zum Zwecke der Geheimhaltung durch eine Nummernkennzeichnung, die Reichsbetriebsnummer, ersetzt. Dies half beim Schutz der teils kriegswichtigen Industrie, nachdem Anfang 1943 mit der Ausrufung des »totalen Krieges« das ganze Deutsche Reich zum Kriegsgebiet erklärt worden war. Zuvor war der Fabrikationsstandort oftmals Teil der Herstellerangabe war, wie z.B.
Jäger, Eisenberg/Thür.
Andererseits wurde die Einführung einer Betriebsnummerierung um 1942 für ein effektiveres »maschinelles Berichtswesen« notwendig. Hintergedanke war eine überschaubarere und überwachbarere Arbeitskräftezuordung zu den Fertigungsstätten sowie andererseits die effektivere Steuerung der Verteilung der Ressourcen und Fertigerzeugnisse. Die scheinbare Anonymisierung der Betriebsstätten wäre dann nur als ein willkommener Nebeneffekt anzusehen.
Die neunziffrige Reichsbetriebsnummer wurde in drei Zahlenblöcken mit Schrägstrich getrennt geschrieben und sieht schematisch wie folgt aus: 0/0000/0000
Ein Beispiel von der Unterseite eines Bechers (Kantinenporzellan):
0/0906/5043
Der Stempel ist nur schwer lesbar. Unsicherheit besteht bei der einzelnen Ziffer vorn, welche eine »0« sein müsste, aber auch eine »2« sein könnte. Derzeit ist unklar, ob es sich dabei um eine echte Nummer handelt bzw. um welche Firma es sich dann handeln würde. Soweit bekannt ist, haben
Bauscher, Weiden und
Hutschenreuther, Selb die größte Menge an Kantinenporzellan hergestellt und damit könnte eine der beiden Porzellanfabriken gemeint sein.
| R.B. Nr. |
Reichsgruppenleitzahl |
Orts-/Kreiskennziffer |
Betriebsnummer |
Ziffern-
block |
1 |
2 |
3 |
Ziffern-
stellen |
1 |
2-5 |
6-9 |
Bedeu-
tung |
Die einstellige Zahl steht für die Reichsgruppen der gewerblichen Wirtschaft.
| Nr. |
Gruppe |
| 0 |
Industrie |
| 1 |
Handwerk |
| 2 |
Handel |
| 3 |
Banken |
| 4 |
Versicherungen |
| 5 |
Energiewirtschaft |
| 6 |
Fremdenverkehr |
| 7 |
Verkehr |
| 8 |
Ernährungswirtschaft |
| 9 |
sonst nicht genannte Gruppen |
|
Die vierstellige Zahl steht für die geografische Lage des Herstellers/Unternehmens. Die ersten zwei Ziffern der vierstelligen Kreiskennziffer schränken die Gebiete auf die wichtigste Stadt derselben ein. Wien bzw. die österreichischen Gebiete erhielten die Nummern 1000 und höher.
| Nr. |
Gruppe |
| 01 |
Berlin |
| 02 |
Hamburg |
| 03 |
Hannover |
| 04 |
Düsseldorf |
| 05 |
Köln |
| 06 |
Frankfurt am Main |
| 07 |
Stuttgart |
| 08 |
München |
Die »09« fehlt in der Aufstellung, taucht aber insbesondere bei Porzellanen (0905 | 0906) immer wieder auf. Erklärung könnte sein, dass es sich um »Nürnberg« handelt, und die Gebiete Frankens mit einschließt.
Beispiele
| Nr. |
Ort |
| 0331 |
Bleicherode |
| 0332 |
Nordhausen |
| 0560 |
Wuppertal |
| 0561 |
Solingen |
|
Die vierstellige Zahl wurde fortlaufend vergeben für die jeweiligen Gebiete und Wirtschaftsgruppen. |
Nach dem II. Weltkrieg wurde die Systematik der Orts-/Kreiskennziffern für die Postleitzahlen übernommen.
Vgl.:
http://www.feldblusen.de/39.html
http://www.passionmilitaria.com/t33953-reichsbetriebsnummer-rbnr
http://www.trend.infopartisan.net/trd7899/t507899.html