Hintergrund • Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands e.V. • 1932.07: Bundesblatt - Wahlaufruf

Originale der Zeitgeschichte

Bundesblatt für den Reichsbund der Kinderreichen Deutſchlands zum Schutze der Familie e.V.
Poſtſcheckkonto: Berlin NW7, Nr. 27219
Berlin W35, Lützowſtraße 75
Fernſprecher: B1 Kurfürſt 2301
Nummer 7
Juli 1932
12. Jahrgang
Nachdruck mit Quellenangabe geſtattet

Wahlaufruf!
Am Sonntag, dem 31. Juli d. J., finden die Neuwahlen zum Reichstag ſtatt. Sie fallen in eine Zeit größter vaterländiſcher Sorge und wirtſchaftlicher Not. Naturgemäß laſtet dieſe ganz beſonders ſchwer auf der finderreichen Familie, zerſtört deren wirtſchaftliche Sicherung und bedroht ihre ſittliche Haltung. Als Grundlage eines geſunden Volkes und ſtarken Staates tritt daher die Forderung ihres Schutzes durch eine zielbewußte Familienpolitik in den Vordergrund aller politiſchen Zielſetzung. In der Erhaltung und Pflege erbgeſunder kinderreicher Familien entſcheidet ſich lebensgeſetzlich das Schickſal des Volkes und der Nation.
Das dem Staatsbürger verliehene Wahlrecht wird daher gerade für den kinderreichen Familienvater, für die kinderreiche Mutter und die erwachſenen Kinder der Familie zur heiligen Wahlpflicht. Wir warten darum von der uns angeſchloſſenen Elternſchaft und ihren wahlmündigen Kindern, daß ſie durch reſtloſe Wahlbeteiligung ihre in die Zukunft weiſende Wahlpflicht erfüllen.
Entſprechend der parteipolitiſch neutralen Einſtellung des Reichsbundes lehnt die Bundesleitung es ab, die Wahl von Kandidaten einer beſtimmten Partei oder gar die Aufſtellung eigener Kandidaten zu empfehlen. Nicht Zerſplitterung in einzelne Gruppen zur Vertretung von Sonderintereſſen kann dem Volke dienen, ſondern Sammlung aller vaterländiſch geſinnten und ſtaatserhaltenden Kräfte zum Wiederaufbau unſeres Vaterlandes tut uns heute not.
Die Löſung des Problems der Erhaltung des deutſchen Volkes aus der deutſchen Familie iſt zudem eine Aufgabe, an der alle Parteien in gleichem Maße intereſſiert ſein müſſen. Sie wird nur dann gelingen, wenn für die erbgeſunde kinderreiche Familie, die allein dem Volke einen zu ſeiner Beſtandserhaltung ausreichenden Nachwuchs ſichert, ein ausreichender Lebensraum gewährleiſtet wird. Die Verantwortung für die zur Erreichung dieſes Zieles zu ergreifenden Maßnahmen muß daher von allen Parteien in gleicher Weiſe getragen und darf nicht auf die Vertreter einzelner kleiner Sondergruppen abgewälzt werben.
Das Bekenntnis einer Partei zum Staate bleibt ein leeres Schlagwort, wenn ſie nicht auch dem Staate die Zukunft ſichert durch ein tatbereites Eintreten für die körperliche, geiſtige und ſittliche Ertüchtigung der deutſchen Familie als Träger alles Volkes und Staatslebens!
Der beginnende Wahlkampf wird beſonders leidenſchaftliche Auseinanderſetzungen bringen und jeden von uns in ſeinen Bann ziehen. Sorgen wir kinderreiche Väter und Mütter dafür, daß unſere Parteien den Blick nicht verlieren auf das von ſeinen erbgeſunden kinderreichen Familien ſchickſalhaft beſtimmte Volk. In der Familienpolitik liegen die möglichen Querverbindungen der vielfach gegeneinanderarbeitenden Parteien und ergeben ſich die Wege, die zur Gemeinſchaft des Volkes und des Staates hinführen!
In welcher Art und Weiſe ſich bisher die verſchiedenen Parteien in den geſetzgebenden Körperſchaften für die Belange der kinderreichen Familien eingeſetzt haben, darüber geben nicht nur die Berichte im Bundesblatt und die von der Bundesleitung herausgegebenen Tagungsberichte Aufſchluß, ſondern auch die Organiſationen der Kinderreichen haben bei ihrer Arbeit reichlich Gelegenheit gehabt zur Sammlung von Erfahrungen. Der kommende Wahlkampf wird außerdem dem einzelnen Mitglied Gelegenheit geben, die Stellungnahme der Parteien zur Frage der Erhaltung und des Schutzes der kinderreichen Familien zu erforſchen.
Wenn die Ortsgruppen und Verbände ſich auch jeglicher Bindungen und beſonderer Abmachungen mit Parteiorganiſationen enthalten müſſen, ſo müſſen ſie andererſeits ihre parteipolitiſch organiſierten Mitglieder anhalten, innerhalb ihrer Partei dahin zu wirken, daß sie die Aufſtellung der Kandidatenliſte Perſönlichkeiten mit familienhafter Einſtellung benannt werden, welche durch ihr bisheriges Verhalten die Gewähr dafür bieten, daß ſie die Belange der Familien, insbeſondere der kinderreichen, mit allem Nachdruck vertreten.
Die Befreiung der kinderreichen Familien aus ihrer ſchier unerträglichen Not iſt die erſte Vorausſetzung für eine Geſundung und Erſtarkung des vielfach zerrütteten Familienlebens und damit zum Wiederaufbau unſeres Vaterlandes.
Kinderreicher Vater, kinderreiche Mutter, handelt und entſcheidet im Wahlkampf ſo, wie es das Wohl und Wehe eurer Kinder gebietet! Euer Elterngewiſſen wird euch den Weg weiſen! Wer für ſeine Familie kämpft, der ſtreitet für ſein Volk, der dient dem Vaterlande!
Reichsbund der Kinderreichen Deutſchlands zum Schutze der Familie e. V.
Der Reichsbundesgeſchäftsführer: Der Reichsbundesvorſitzende:
Dir. Konrad.
 
 

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