Auszug - Stichwort „Eisenberg“ aus »Wer ist wer?«

500 Namen von Personen, Orten und Betrieben des sächsisch-thüringischen Porzellans aus Vergangenheit und Gegenwart.

Zusammengestellt und erläutert von Ekkehard Kraemer.

Eisenberg, Kreisstadt in Bezirk Gera (Thüringen), ca. 13.000 Einwohner.
Entwickelte sich im 19. Jh. zu einem Zentrum der Porzellanindustrie. Bereits in der Mitte des 19. Jh. arbeiteten dort sechs Porzellanfabriken in denen ca. 800 Personen beschäftigt wurden.
Auf der Grundlage eines am 16.6.1796 erteilten Privilegs richtete hier Heinrich Ernst Mühlenberg, Besitzer einer Porzellanmalerei in Roschütz, vorher als Maler in der Volkstedter Porzellanmanufaktur tätig, in der Eisenberger Altstadt eine Porzellanfabrik ein. Produziert wurde Haushaltsporzellan, aber auch in geringen Mengen Vasen und andere Ziergegenstände.
Der Betrieb konnte 1805 und 1810 vergrößtert werden werden und übernahm 1806 die Konzession der Brüder Döll in Altenburg zur Steingutfertigung. Nach dem Tode H.E. Mühlenbergs im Jahre 1826 leitete dessen Gattin den Betrieb. Besonderen Erfolg hatte die Aufnahme der Blaumalerei als Nachahmung gefragter Sortimente anderer bekannter Manufakturen. Das „Strohhalmmuster“ beeinflußte die Dekorpalette des Betriebes bis in das 20. Jh.
Nach dem Tode der Witwe des Gründers 1845, durch den Sohn Karl Mühlberg geleitet, kam der Betrieb durch die starke Konkurrenz in wirtschaftliche Schwierigkeiten und ging in Konkurs.
Der Betrieb wurde durch Herrmann Schulz übernommen und trotz zeitweiliger wirtschaftlicher Rückschläge erfolgreich als

Schulz & Co., Porzellanfabrik
weitergeführt.
1865 ging der Betrieb in den Besitz von Friedrich August Reinecke über. Firmiert wurde nunmehr als

F.A. Reinecke, Porzellanfabrik
Prod.-Progr.: Gebrauchsgeschirre spez. Zwiebelmuster und Blaumodell.
Der Betrieb schloß sich 1960 mit der „Porzellanfabrik Wilhelm Jäger“ zu den

Vereinigten Porzellanwerke Eisenberg
zusammen.
Seit 1972 in Volkseigentum, firmiert der Betrieb

VEB Vereinigte Porzellanwerke Eisenberg
Im Betrieb wurde etappenweise, beginnend ab 1972/73 bis 1977 die Porzellanproduktion beendet. Facharbeiter und Formenpark wurden einschließlich der Nutzung der „Jäger-Marke“ vom „Porzellanwerk Eisenberg“ übernommen.

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(1) Erste bekannte Marke des Betriebes im 19. Jh., (2) 20. Jh. - ca. 1960, (3) etwa 1927 - 1960, (4) 1960 - 1976

Porzellanfabrik Bremer & Schmidt, Eisenberg gegründet 1895, Prod.-Progr.: Haushaltsporzellan, Mokkaservice in barocker und klassizistischer Form.
Wurde 1972 in Volkseigentum übernommen und mit der „Porzellanfabrik Kalk GmbH“ zum

VEB Spezialporzellan Eisenberg zusammengeschlossen. 1974 erfolgte Zusammenschluß mit den anderen Eisenberger Porzellanbetrieben zum VEB Porzellanwerk Eisenberg. Produziert wird das bekannte „Original Blau Saks“. Der Betrieb ist dem „VEB Vereinigte Porzellanwerke Kahla“ angeschlossen.

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(1) bis 1972, (2) ab 1972 - (?), (3) seit 1976 - heute.

Porzellanfabrik Geyer, Koerbitz & Co.
1888 als Steingutfabrik gegründet, wurde 1890 auf Porzellanherstellung umgestellt und ging 1904 in die „Porzellanfabrik Kalk GmbH, Eisenberg“ über.


Porzelllanfabrik Wilhelm Jäger
Gegründet 1867, Prod.-Progr.: Haushaltporzellan. Der Betrieb schloß sich 1960 mit der „Porzellanfabrik F.A. Reinecke, Eisenberg“ zu den „Vereinigte Porzellanwerke Eisenberg“ zusammen.
Der Betrieb wurde inzwischen stillgelegt.

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(1) u. (2) nach 1900, (3) 1912 angemeldet, alle 3 Marken wurden bis in die 40er Jahre genutzt. Als Nachfolgemarke entstand Ende der 40er Jahre aus den Marken (1) u. (3) die Marke (4), die bis 1960 im Gebrauch war.

Porzellanfabrik Kalk GmbH
Gegründet 1900, Prod.-Progr.: Kaffee- und Tafelgeschirr, Spez.: gerippte Tafel- und Kaffeegeschirre mit Strohhalmmuster. Im Jahr 1904 durch den Ankauf der Eisenberger Porzellanfabrik „Geyer, Koerbitz & Co.“, erweitert.
1972 in Volkseigentum übernommen und mit der Porzellanfabrik „Bremer & Schmidt“ zum VEB Spezialporzellan Eisenberg zusammengeschlossen, als dessen Betriebsteil weiter porduziert wurde. Die Produktion wurde im ehemaligen Werk „Kalk“ 1976 beendet.

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(1) Erste Betriebsmarke um 1900. Diese Marke wurde in den folgenden Jahren oftmals abewandelt (2)-(4), Marke (5) Jubiläumsmarke um 1949/50 entstanden, bis 1972 verwandt.

Porzellanfabrik G.W. Kunze
Gegründet 1869, Prod.-Progr.: Gebrauchsgeschirr und Blumenübertöpfe.
Der Betrieb wurde später durch Friedrich Kraft übernommen und erlosch 1926.

Porzellanfabrik Mehlhorn
Gegründet 1870 durch Mehlhorn. Prod.-Progr.: Gebrauchsgeschirr, spez. Zwiebelmuster und Blaumodell.
Der Betrieb wurde später an E. Mühlenfeld verkauft und firmierte

E. Mühlenfeld, Porzellanfabrik
Ging in der Porzellanfabrik „Wilhelm Jäger“ auf.

Paul Richter, Porzellanfabrik
Gegründet 1889.
Der Betrieb besteht nicht mehr.



Porzellan-Manufaktur J. Schmeisser
Gegründet 1871, Prod.-Progr.: Haushaltgeschirr.
Der Betrieb besteht nicht mehr.



Quelle:
Kraemer, Ekkehard (1985): Sächsisch-thüringisches Manufakturporzellan; Frankfurt am Main, Berlin.
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